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Parodontale Behandlungen - Parodontose, Parodontitis
(erstellt am: 30.09.2007 - letzte Änderung:30.09.2007 - aufgerufen: 248 Mal)
Zunächst ist es wichtig, einige Begriffe zu unterscheiden: Parodontitis ist eine durch Bakterien verursachte Entzündung, die zu einer Zerstörung des Zahnhalteapparates (Parodontium), also Knochenabbau führt. Im Gegensatz dazu bezeichnet die Parodontose einen nicht-entzündlichen Schwund des Zahnbettes ohne vertiefte Zahnfleischtaschen und ohne Blutungsneigung. Der Begriff der Parodontose wird oftmals fälschlich für jede Form der Zahnfleischerkrankung gebraucht. Eine Zahnfleischentzündung aber ist die Gingivitis – von Gingiva (Zahnfleisch).
Auslöser einer chronischen Parodontitis, die zumeist im Erwachsenenalter auftritt, sind Bakterien, die sich auf der Plaque (dem Zahnbelag) befinden. Sie setzen Stoffwechsel- und Zerfallsprodukte frei, so dass eine Abwehrreaktion des Körpers hervorgerufen wird. So ist es letztendlich das eigene Immunsystem, das für die Gewebszerstörung verantwortlich ist, indem es versucht, die Bakterien zu eliminieren: Die Enzyme, die durch das Abwehrsystem des Körpers freigesetzt werden, vernichten nicht nur die Bakterien, sondern führen ebenso zu einer Zerstörung des eigenen Gewebes, zum Verlust von Bindegewebe und Knochen. Folgen dieses Vorganges sind Zahnfleischbluten, Bildung von Zahnfleischtaschen, Zurückgehen des Zahnfleisches sowie schließlich Lockerung und gar Verlust der Zähne.
Darüber hinaus ist Parodontitis ein Risikofaktor für andere Erkrankungen: sowohl ein Zusammenhang zwischen Parodontitis und einem Herzinfarkt-Risiko sowie rheumatischen Erkrankungen als auch möglichen Frühgeburten und niedrigem Geburtsgewicht ist erwiesen.
Für die Entstehung einer Parodontitis spielen neben der oben beschriebenen bakteriellen Ursache einige Risikofaktoren eine Rolle:
- genetische Vorbelastung
- Ansteckungsgefahr über den Lebenspartner
- Schwäche des Immunsystems
- schlechte oder falsche Mundhygiene und dadurch bedingte Plaque und Zahnstein
- offene Zahnkaries
- Bruxismus (Zähneknirschen)
- Mundatmung
- Diabetes mellitus: vor allem wenn der Blutzuckerspiegel schlecht eingestellt ist
- Schwangerschaft: durch die Hormonumstellung lockert das Bindegewebe auf, so dass Bakterien leichter in die Tiefe des Zahnfleisches vordringen können
- Rauchen: erhöht das Parodontitis-Risiko um das Vier- bis Sechsfache
- ungesunde Ernährungsweise mit zu wenig Vitaminen
- Piercings in der Lippe, im Lippenbändchen oder der Zunge
Verschiedene Symptome weisen auf eine Parodontitis hin:
- erste Symptome am Zahnfleisch sind Zahnfleischbluten sowie Rötungen, Schwellungen und Berührungsempfindlichkeit
- Mundgeruch und Eiterbildung am Zahnfleisch
- Zahnfleischrückgang sowie Zahnlockerung
Der Verlauf einer chronischen Parodontitis ist meist schubweise: Normalerweise wird durch das sogenannte Saumepithel eine kontinuierliche Oberfläche zwischen dem Zahnfleisch und den Zähnen gebildet, wobei allerdings kleine Nischen entstehen. Werden diese nicht gründlich von Zahnbelag gereinigt, können die Bakterien bzw. deren Stoffwechsel- und Ausscheidungsprodukte das Saumepithel angreifen und durchdringen. Das Immunsystem des Körpers reagiert sofort durch die Ausscheidung entsprechender Enzyme, die die Bakterien zerstören. Darüber hinaus aktiviert der Körper sogenannte Osteoklasten. Sie sind in der Lage, Knochengewebe wieder aufzubauen und beugen so einem Vordringen der Entzündung in die Tiefe vor. Verschlechtert sich der Zustand des Immunsystems oder können sich die Bakterien weiter vermehren und werden aggressiver, dringt die Entzündung tiefer vor. Es kommt zu Knochenabbau und -verlust. Dieser ist nur noch durch eine vollständige Ausschaltung und Entfernung der bakteriellen Reize aufzuhalten.
Eine Behandlung der Parodontitis gliedert sich in vier verschiedene Phasen mit unterschiedlichen Maßnahmen:
1. Diagnostik: Erfassen des Gesamtzustandes des Gebisses, der Zahnlockerung, der Tiefe der Zahnfleischtaschen, des Zahnfleischrückgangs, der Mundhygiene des Patienten; Erstellen von Röntgenaufnahmen
2. Hygienephase: Entfernung der Plaque durch eine professionelle Zahnreinigung, die mindestens einmal wiederholt werden muss; Empfehlungen für die zu Hause durchgeführte Mundhygiene; evtl. Erneuerung von Füllungen sowie Ziehen von nicht erhaltungswürdigen Zähnen, um zusätzliche Bakterienherde auszuschalten; Einschränkung der Bakterienvermehrung durch Mundspülungen und Medikamente
3. geschlossene Behandlungsphase: Entfernung der unterhalb des Zahnfleischrandes liegenden Beläge; Kontrolle der Behandlung nach zwei bis drei Wochen und evtl. Wiederholung
4. offene Behandlungsphase: chirurgische Eröffnung sehr tiefer Zahnfleischtaschen mit Wiederholung der Maßnahmen der geschlossenen Behandlungsphase; evtl. Auffüllung der Knochentaschen mit Knochenersatzmaterialien oder Abdeckung mit Membranen
Eine Parodontitis-Therapie wird oftmals unterstützt durch die Gabe von Antibiotika.
Wird eine Parodontitis rechtzeitig und richtig behandelt, ist eine erfolgreiche Therapie fast immer möglich. Diese kann aber langwierig sein. Darüber hinaus ist die Gefahr eines Rückfalls nach erfolgreicher Beseitigung der Entzündung stets gegeben, da die Grenze zwischen Zahn und Zahnfleisch durch die Bakterien nun einmal durchbrochen war. So ist eine regelmäßige Nachsorge notwendig.
Durch gründliche Parodontitis-Prophylaxe ist ihrem (erneuten) Ausbrechen vorzubeugen. Dazu gehört selbstverständlich regelmäßiges Zähneputzen mit Zahnbürste und Zahnpasta. Darüber hinaus ist es sinnvoll, die Zahnzwischenräume mit Hilfe von Zahnseide oder Zahnzwischenraumbürsten sowie den Zungenrücken von Belägen zu reinigen. Alle drei bis sechs Monate ist eine Kontrolle beim Zahnarzt in Verbindung mit einer professionellen Zahnreinigung empfehlenswert, um Putznischen zu säubern. Schließlich können einige der oben genannten Risikofaktoren minimiert werden: Aufhören mit dem Rauchen, Einstellen des Diabetes mellitus.



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