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Zahntechniker Arkadi Linev erklärt: So wird individueller Zahnersatz gefertigt

24. September 2020

Kein Lächeln ist gleich. Und deshalb darf natürlich auch Zahnersatz nicht immer gleich aussehen. Arkadi Linev, zuständig für die Qualitätskontrolle im zahntechnischen Labor bei Dentaprime, erklärt, worauf es beim perfekten Zahnersatz ankommt und warum ein Hollywood-Lächeln nicht immer die beste Lösung ist.

Arkadi Linev, zuständig für die Qualitätskontrolle im zahntechnischen Labor bei Dentaprime

Zahnersatz sollte möglichst natürlich, gleichzeitig aber auch schön und optisch ansprechend aussehen – schließlich bezahlt niemand teuren Zahnersatz, um nachher krumme oder verfärbte Zähne zu haben. „Schön“ ist auch die Antwort, die die allermeisten Patienten auf die Frage geben, wie denn ihr zukünftiger Zahnersatz aussehen soll.

Arkadi Linev weiß jedoch aus erster Hand, dass Zahnersatz nicht einfach nur „schön“ sein sollte. Denn dass die neuen Zähne schön aussehen müssen, ist von vornherein klar. Die Zahntechniker und Zahntechnikerinnen werden sich immer bemühen, ästhetisch ansprechende Zähne herzustellen. Doch darüber hinaus gibt es zahlreiche weitere Gestaltungsmöglichkeiten über die man sich als Patient schon vorher Gedanken machen sollte.

Zahn ist nicht gleich Zahn

Bei der Herstellung des neuen herausnehmbaren Zahnersatzes bedient sich der Zahntechniker oder die Zahntechnikerin sogenannter Garnituren. „In diesen Garnituren sind hunderte verschiedene Zahnformen und Zahngrößen hinterlegt“, erklärt Linev. Denn Zahn ist nicht gleich Zahn. Jede der Zahnformen wurde individuell hergestellt und zeichnet sich durch ihre eigenen Merkmale aus.

Es gibt größere und kleinere Zähne. Eckigere und rundere. Längere und kürzere. Der „Bauch“ des Zahns kann größer oder kleiner ausfallen. Die Garnituren unterscheiden sich voneinander, je nachdem ob es sich um Front- oder Seitenzähne handelt – am Ende muss aber natürlich die Gesamtauswahl ein stimmiges Bild ergeben.

Wie werden nun die richtigen Zähne ausgewählt?

Tihomira arbeitet im Dentaprime-Zahnlabor

Die Auswahl der Zähne wird direkt am Patienten nach anatomischen Aspekten und physiognomischen Merkmalen (charakteristisches äußeres Erscheinungsbild) getroffen. „Es muss jeweils die Zahnform gefunden werden, welche den funktionellen und ästhetischen Bedürfnissen des Patienten am besten entspricht“, sagt Linev. Gerade die Frontzähne sollen neben der Farbwahl besonders in Form und Größe individuell ausgewählt werden.

Es kommt darauf an, dass die Zahnform zum Gesicht und Mundanatomie passt. Ein Mensch mit einem großen Kopf und massivem Kiefer benötigt eher breite, große und markante Zähne. Ein zierlicher Mensch mit kleinem Kopf benötigt entsprechend kleinere, weniger prominente Zähne.

Entscheidend für die Ästhetik des Zahnersatzes ist also die Harmonie zwischen dem Gesicht und den Zähnen. Bestimmt wird diese Harmonie durch die Analyse der Physiognomie. So wird beispielsweise die Breite und die Proportionen des mittleren und seitlichen Schneidezahnes berücksichtigt, sowie die Position der Eckzähne und das Verhältnis zwischen den Nasenflügeln und der Nasenspitze.

Deshalb wird zunächst die Breite der Nasenflügel bestimmt, um anhand dessen eine geeignete Zahngröße auswählen zu können. In Abhängigkeit von der Gesichtsform wird im Anschluss die Zahnform ausgewählt.

Dann wird außerdem die Position der Eckzähne, sowie der Berührungspunkt der vorderen Schneidezähne, die so genannte „Mittellinie“, bestimmt. Dabei orientiert man sich an der Gaumenfalte, der Schneidezahnpapille sowie Nasenwurzel und Kinnspitze. Anhand der Bogenlänge über diese drei Punkte wird eine Frontzahngarnitur in der entsprechenden Breite ausgewählt.

Natürlicher Look – gerade im Alter

Die Zähne müssen an das Alter und Aussehen des Patienten angepasst sein.

Damit die neuen Zähne aber auch wirklich natürlich aussehen, müssen sie an das Alter des Menschen angepasst sein, erklärt Linev weiter. Mit dem Alter entstehen bei jedem Menschen natürliche Abnutzungen an den Schneidekanten und Kauflächen, die sogenannten Abrasionen. Diese Stellen sind dunkler als die restliche Zahnfarbe, weil der Zahnschmelz im Laufe der Jahrzehnte dünner geworden ist und das Dentin, unser Zahnkern, mehr durchschimmert.

Auf Wunsch kann der Zahntechniker oder die Zahntechnikerin zwar strahlend weiße Zähne erstellen. Doch Linev rät davon ab: wenn der Abrieb der Jahre nicht simuliert werde, nehme ein Betrachter unwillkürlich an, dass sein Gegenüber künstliche, dritte Zähne habe, da das Erscheinungsbild der Zähne zu „jugendlich“ und nicht dem Alter entsprechend aussehe.

Genauso würde das Unterbewusstsein auch wahrnehmen, wenn die Zähne zu 100% symmetrisch und gerade wären und sofort erkennen, dass es sich um künstliche Zähne handelt. Denn in unserem Körper gibt es keine perfekten Symmetrien und das gilt auch für unser Kauorgan, samt Zähnen. Minimale Drehungen in der Achse, Kippungen und Unterschiede in der Breite und Länge der Zähne sind zwar nur Nuancen. Sie sorgen aber für ein deutlich natürlicheres, dynamischeres Erscheinungsbild der Zahnreihen als eine „Klaviertasten-Stellung“ der Zähne, wie es in Fachkreisen ironisch genannt wird.

Muss es immer Hollywood-Weiß sein?

Zahnfarbskala

Aus einer Reihe unterschiedlicher Farbschattierungen muss nun die passende ausgewählt werden. Die Farbauswahl sollte am Patienten und unter guten Lichtbedingungen vorgenommen werden.

Der Zahntechniker verwendet für die Farbwahl die sogenannte Zahnfarbskala. Die hellste Farbe wird „A1“ genannt – zumindest in der Theorie. Denn es gibt auch noch die Farben „Bleaching 1-4“, die noch heller sind und dem typischen Hollywood-Weiß entsprechen.

Als Patient sollte man sich gut überlegen, ob man eine solche Bleaching-Farbe für den Zahnersatz wählen möchte. Denn Linev weiß: „Als Faustregel gilt: Ist die Zahnfarbe heller als das Augenweiß, nimmt das Unterbewusstsein sie als unnatürlich wahr.“ Und im Laufe der Jahrzehnte verdunkeln sich eben nicht nur die Zähne, sondern auch das Augenweiß.

Fazit:

All diese Aspekte und Faktoren müssen bei der Erstellung des Zahnersatzes berücksichtigt werden, um die jeweils optimale Lösung für die Patientin oder den Patienten zu finden.

Machen Sie sich also am besten schon vor der Behandlung Gedanken darüber, ob sie ihre neuen Zähne wirklich „perfekt gerade und maximal weiß“ haben möchten. „Weiß und gerade“ ist nun mal Standard. Es sind die kleinen Abweichungen, die Charme und Individualität ausmachen.

Je konkreter Sie sich Gedanken machen, desto besser die Kommunikation und Abstimmung mit dem Zahntechniker. Wofür auch immer Sie sich entscheiden: Ihr Dentaprime-Zahntechniker wird alles daransetzen, einen möglichst optimalen Zahnersatz für Sie zu erstellen.

Was hier beschrieben ist, gilt vor allem für den vollständig zahnlosen Kiefer, Komplett-Restaurationen im Frontzahnbereich und implantatgetragene Konstruktionen, bei denen alle Zähne ersetzt werden. Bei einzelnen, fehlenden Zähnen orientiert sich der Zahntechniker bzw. die Zahntechnikerin an den vorhandenen Zähnen.

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